Das war tatsächlich mal etwas Besonderes, was es am 1. Juli am Kiosk zu kaufen gab. Die Ausgabe der Welt kompakt erschien als „Scroll-Edition“, geschrieben nicht von Zeitungsredakteuren sondern von Bloggern. Mit allem was dazugehört: Kommentaren von Usern, die sich hinter so einfallsreichen Namen wie „outist“, „PickiHH“ oder „mainwasser“ verbergen.
Gemeinsam haben die Redakteure der Welt mit Bloggern „diskutiert, geschwitzt und uns einander angenähert“. Und so findet sich das Netz plötzlich im Zeitungsformat wieder: Mit Youtube-Videos in Bildform (lassen sich nicht abspielen), Twitter-Nachrichten auf Papier gebannt (lassen sich nicht retweeten) und kurzen Beiträgen von Bloggern (lassen sich nicht kommentieren). Die Offline-Welt kommt ebenfalls zur Geltung: Mit einem ganzseitigen Kreuzworträtsel (mit vielen Fragen rund ums Internet), einem Horoskop („Keine Experimente bitte!“ – gilt aber nur für Jungfrauen) und niedlichen Erklärungen für alle Internet-Abstinenzler („Ein Hyperlink, oder kurz Link, ist ein Querverweis im Internet“).
Etwas mühsam bewegen sich die beiden Seiten noch nebeneinander her. Doch das Interesse ist klar: Blogger und Journalisten suchen Anschluss aneinander. Zeitungen haben ein Finanzierungsproblem: Denn ihr „Nachrichtengeschäft erweist sich zunehmend als ein Modell, das keine finanzierungsfähige Zukunft hat“, so weiß der bekannte Blogger Robert Basic.
Andererseits ist es gar nicht so lange her, dass die große Schwester der Welt kompakt gegen Blogs und Internetforen zu Felde zog: „Weitgehend unkontrolliert und ungestraft ergreifen Debattierer aller Art das Wort, vom Ausländerhasser bis zum Ehrabschneider fehlt nichts, Weltverbesserer, Querulanten und Besserwisser nutzen die grenzenlose Freiheit des Internets, um ihren Senf loszuwerden, Wichtigtuer streuen die abwegigsten Komplotttheorien, und Zukurzgekommene sehnen den Weltuntergang herbei.“
Beide Welten sind eben noch weit voneinander entfernt. Und auch die gebloggte Zeitung sorgte auf beiden Seiten wohl eher für Irritation denn für künftige Gemeinsamkeiten. Teilweise gilt das Produkt bereits als „Misslungener Versuch“. Doch das müssen ja nicht alle so sehen.
Und wie hat Ihnen die Blogger-Ausgabe der Welt-Kompakt gefallen?

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Perfekt war es nicht. Die Texte waren eher gut und interessant. Es war halt nur keine Tageszeitung. Und das irritiert.
Wichtiger Artikel, ich werde wohlnun auch gleich wieder weiter baelttern hier. Bis zum Naechsten mal.