In unserem Beitrag „Sinn und Unsinn des Atomausstiegs“ haben wir ja schon versucht, die Problematik dieses wichtigen Zukunftsthemas etwas einzuordnen. Nun, nach der Entscheidung der Bundesregierung, stellt sich natürlich die Frage welche Konsequenzen das sogenannte „Energiekonzept“ mit sich trägt:
Laufzeitverlängerung:
Die Atommeiler der vier großen Konzerne RWE, Vattenfall, E.ON und Energie Baden-Württemberg (EnBW) dürfen im Schnitt 12 Jahre länger laufen als bisher geplant. Es wird schon damit gerechnet, dass sich die Laufzeiten aber noch beträchtlich nach hinten schieben könnten. Der Grund: Die Verlängerung der Laufzeiten wird auf Basis von Jahresvolllaststunden berechnet. Der Spiegel erklärt das wie folgt: „Diese sind eine idealtypische Größe. Sie geben an, wie viele Stunden ein Atommeiler mit voller Kraft laufen müsste, um seine Jahresenergieproduktion zu erreichen. Seit der Reform des Atomgesetzes im Jahre 2002 werden die Restlaufzeiten von Kraftwerken so berechnet. Jahresvolllaststunden sind die wahre Währung des Atomkonzepts, nicht Jahre.“
Die Einspeisung von Erneuerbaren Energien ins Stromnetz könnte also die Laufzeit eines AKW´s verlängern. Denn: Je mehr Stunden Ökostrom eingespeist wird, desto mehr reduziert sich die Stundenanzahl von Atomkraftwerken und die Laufzeit verlängert sich dadurch. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Einspeisung von Ökostrom Vorrang hat vor den anderen „Stromarten“.
Atomsteuer
Die Konzerne müssen bis 2016 eine Atomsteuer bezahlen. Die Bundesregierung kann hier mit ca. 2,3 Mrd. EURO/Jahr rechnen. Zusätzlich sollen ca. 1,4 Mrd EURO/Jahr in einen Ökostrom-Fonds fließen. Ab 2017 werden die Stromkonzerne dann noch bis zu 17 Mrd. EURO bezahlen müssen. Allerdings sind die Steuerabgaben von ca. 2,3 Mrd. Euro der Konzerne RWE, Vattenfall, E.ON und Energie Baden-Württemberg (EnBW) lediglich eine Bruttosumme. Die Konzerne können diese Summe bei der Körperschaftssteuer geltend machen und damit abziehen.
Atommüll
Es wird geschätzt, dass sich durch die Laufzeitverlängerung der Atommüll um bis zu 370 Tonnen pro Jahr erhöhen wird. Bundesumweltminister Röttgen (CDU) möchte nun auch wieder das Problem der Entsorgung angehen. Eine erneute Untersuchung von Gorleben als Atommüllendlager wird angestrebt.
Stromkosten
Es kann damit gerechnet werden, dass die Stromkonzerne die zusätzliche Steuerbelastung direkt an die Energieeinkäufer weitergeben. Denn die Abgabe würde ansonsten den Nettogewinn der Stromkonzerne schmälern. Das werden die Energieriesen aber sicher nicht hinnehmen.
Hausbesitzer
Das Energiekonzept sieht vor, dass bis zum Jahr 2050 alle Gebäude auf „Nullemission“ saniert werden. Die Kosten hierfür werden aller Wahrscheinlichkeit direkt an die Mieter weitergegeben. Laut BILD-Zeitung macht dies für ein Einfamilienhaus, welches in den 70er Jahren gebaut wurde, ca. 140.00,- Euro aus.
Was halten Sie vom Energiekonzept der Bundesregierung? Hemmt es den Wettbewerb auf dem Strommarkt? Sagen Sie uns Ihre Meinung!
Atomkraftwerke in Deutschland:
- Brokdorf, Schleswig-Holstein (E.ON)
- Isar 2, Bayern (E.ON)
- Isar 1, Bayern (E.ON)
- Pilippsburg 2, Baden-Württemberg (EnBW)
- Pilippsburg 1, Baden-Württemberg (EnBW)
- Grohnde, Niedersachsen (E.ON)
- Unterweser, Niedersachsen (E.ON)
- Krümmel, Schleswig-Holstein (Vattenfall)
- Emsland, Niedersachsen (RWE)
- Neckarwestheim 2, Baden-Württemberg (EnBW)
- Neckarwestheim 1, Baden-Württemberg (EnBW)
- Grafenrheinfeld, Bayern (E.ON)
- Grundremmingen C, Bayern (RWE)
- Grundremmingen B, Bayern (RWE)
- Biblis B, Hessen (RWE)
- Biblis A, Hessen (RWE)
- Brunsbüttel, Schleswig-Holstein (Vattenfall)
[UPDATE] Es kursieren im Netz schon die ersten Danksagungen an die Bundesregierung zum Energiekonzept.
[UPDATE 2] Wie aktuell (14.09.2010) “Der Stern” schreibt, können nach Aussage des Bundesfinanzministeriums die Energiekonzerne auch die Ausgaben für den Öko-Fonds von der Steuer absetzen.
Weitere Quellen:
Langfristszenarien und Strategien für den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland bei Berücksichtigung der Entwicklung in Europa und global
Energieszenarien für ein Energiekonzept der Bundesregierung

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[...] Sieg der Atomlobby? Wer zahlt für das Energiekonzept? [...]
[...] die Bundesregierung veröffentlicht ein höchst umstrittenes Energiekonzept [...]
So frech und heuchlerisch war noch keine andere Bundesregierung wie diese. Mit dem Hauptprojekt Laufzeitverlängerung – mehr hatte die Bundesregierung letztes Jahr nicht geschafft – ging man jetzt so baden, wenn der Grund nicht so fürchterlich wäre, könnte man glatt Häme empfinden. Das ist nun der häufig angekündigte Anfang vom Ende der Regierung Merkel, davon wird sie sich nicht mehr berappeln.