CCS-Technologie – die Rettung für unser Klima? Der CCS-Gesetzesentwurf der Bundesregierung ist im Bundesrat gescheitert. Die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid in unterirdische Lagerstätten (CCS) ist damit vorerst vom Tisch. Doch wo liegen eigentlich die Probleme bei einer Technologie die unser Klima retten soll? Um die Treibhausgasmissionen zu verringern und die internationalen Klimaschutzziele einzuhalten wird an neuen Kraftwerkstechnologien geforscht. Die Rettung scheint die CCS-Technologie (Carbon Dioxide Capture and Storage = CCS) zu bieten. Dabei soll unter anderem durch die Abscheidung und Einlagerung von Kohlenstoffdioxid (CO2) das frei werdende Kohlenstoffdioxid in unterirdische Lagerstätten verpresst werden. Ziel von CCS ist die dauerhafte Speicherung der CO2-Abgase im Boden. Vorbilder für das Verfahren sind konventionelle Erdgasfelder, die zeigen, dass Gase über Millionen von Jahren geologisch eingeschlossen werden können. Allerdings ist die Abscheidung und Einlagerung des Kohlenstoffdioxids sehr energieaufwendig. Sollte die Verpressung aber einmal kostengünstig funktionieren, wäre ein riesiger Schritt im Kampf gegen die globale Erwärmung getan, denn CO2-Emissionen sind die Haupttreiber der Klimaerwärmung.
Technologie noch in Kinderschuhen
Die Technologie steckt aber noch in den Kinderschuhen und weitere Forschung ist erforderlich. Bisher gibt es nur kleine Versuchsanlagen mit geringer Leistung. Ein großtechnischer Einsatz in Kraftwerken wäre nach optimistischen Schätzungen frühestens in 10 bis 20 Jahren möglich.
Trotz aller Reduktionsbemühungen sind kohlenstoffhaltige Rohstoffe noch immer der Energieträger Nummer eins in der Welt. 2010 wurden allein in Deutschland 55 Prozent des elektrischen Stroms durch fossile Energieträger wie Kohle und Erdgas erzeugt. Vor allem Stein- und Braunkohle spielen eine bedeutende Rolle für die Versorgungssicherheit. Dies wird sehr wahrscheinlich auch die nächsten Jahrzehnte so bleiben – und kommt die Umwelt teuer zu stehen. Denn bei der Verbrennung der Kohle zur Stromerzeugung wird das klimaschädliche Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2) freigesetzt und gelangt in die Luft.
Bundesländer konnten sich nicht einigen
Nach den bisherigen Plänen der Bundesregierung sollte die CCS-Technologie eigentlich bis 2017 erprobt werden. Nun droht den deutschen CCS-Ambitionen das vorzeitige Aus. Grund: Ende September fand der CCS-Gesetzentwurf keine Mehrheit im Bundesrat. Damit scheiterte bereits zum zweiten Mal nach 2009 eine CCS-Gesetzesinitiative.
Der schwedische Energieriese Vattenfall hatte ursprünglich geplant, im brandenburgischen Jänsch-walde 1,6 Milliarden Euro in eine CCS-Versuchsanlage zu investieren. Die Europäische Kommission hätte 180 Millionen Euro dazugegeben. Diese Pläne sind vorerst auf Eis gelegt worden. Vattenfall sieht nach dem Scheitern des Gesetzesentwurfs zu wenig Unterstützung in Politik und Gesellschaft für umfangreiche Investitionen.
Nun droht Ungemach aus Brüssel, denn der CCS-Entwurf sollte die nationale Umsetzung einer durch jeden Mitgliedsstaat umzusetzenden Richtlinie sein. Die Europäische Kommission hat auf die Untätigkeit des deutschen Gesetzgebers regiert und ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet.
Doch warum ist die CCS-Technik eigentlich so umstritten? Zu teuer, zu ineffizient und nicht ausreichend sicher?
Die Folgen für die Umwelt durch CO2-Verpressung sind noch nicht absehbar. Kritiker warnen vor einem unkontrollierten Austreten des eingelagerten Kohlenstoffdioxids. In hoher Konzentration wäre das giftig. Niemand kann bisher abschätzen, ob die unterirdischen Gesteinsschichten das eingelagerte CO2 über Jahrhunderte sicher speichern können und ob dieses Risiko beherrschbar ist. Alte Erdöl- oder Erdgaslagerfelder sowie salzhaltige Grundwasserleiter, die sich in 800 Meter Tiefe befinden, gelten als besonders geeignet.
Neben Lecks in den Speicherstätten befürchten CCS-Kritiker eine Verunreinigung des Grundwassers, weil das gasförmige CO2, eingeschlossenes salzige Wasser, in höhere Schichten drücken könnte.
Aber auch der hohe Energiebedarf für die Verpressung ist ein großes Problem. Man würde nach dem aktuellen Stand der Technik fast ein Fünftel des erzeugten Stroms eines Kohlekraftwerkes nur für die CCS-Verpressung aufwenden müssen. Folglich sei es zweifelhaft, ob das CCS-Verfahren überhaupt dem Klimaschutz nützt.
Trotz aller Kritik gilt CCS weltweit als große Chance im Kampf gegen den Treibhausgaseffekt. Der Bedarf an einem CO2-Einsparverfahren für fossile Kraftwerke ist sehr groß, besonders bei Ländern die stark auf Kohle setzen, wie China oder die USA. Auch die Europäische Kommission sieht in der CCS-Technologie einen Weg ihre ambitionierten CO2-Einsparziele zu erreichen. In Ihren neuen Entwurf für Beihilfekriterien für Kraftwerksneubauten hat die EU klargestellt, dass sie neue Kohlekraftwerke finanziell nur unterstützt, wenn diese die CCS-Technik einsetzen.
Deutschland hat das Potenzial weltweiter Technologieführer zu werden. Ziel der Bundesregierung war es die CCS-Technologie bis 2020 serienreif zu machen. Diese Chance dürfte sich nun zumindest verzögern – wie so vieles bei der Energiewende.

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