Sisal: die harte Faser für robuste Böden

Sisalböden sind hart im Nehmen. Das spürt man schon, wenn man einmal barfuß darauf läuft: Etwas kratzig, etwas spröde gibt sich dieser Belag, der lange schon zu den Klassikern unter den ökologisch unbedenklichen Bodenbelägen zählt. Aber Schmeicheln hat er auch gar nicht nötig. Seine naturgegebenen Eigenschaften können schon so überzeugen. Sisalfasern werden aus den Blättern einer Agavenpflanze gewonnen, die auf nährstoffarmen Böden Mexikos, Brasiliens und Afrikas angebaut wird. Diese Agavenart ist sehr widerstandsfähig, und es bedarf keiner Art von chemischem Pflanzenschutz, damit sie gedeiht: Ökologie von Anfang an! Ein Teil der etwa 100 bis 120 cm langen Blätter wird Jahr für Jahr abgeerntet und in Entfaserungsmaschinen vom Blattfleisch gelöst. Nach dem Waschen trocknet man die Fasern an der Sonne, bürstet sie aus und verspinnt sie anschließend zu Garnen. Und daraus wiederum werden Bindfäden, kräftige Seile und Fußbodenbeläge produziert. Da die Sisalfaser sehr geschmeidig und glatt ist, läßt sie sich gut färben. Das geschieht, ebenso wie das Verweben zu 200, 250 und 300 cm breiten Bahnen von 5 bis 6 mm Dicke, vorwiegend in den Ursprungsländern. In Deutschland wird der Boden meist nur noch veredelt, das heißt auf der Rückseite für bessere Maßhaltigkeit mit einer Beschichtung versehen. Hersteller, die den ökologischen Anspruch an ihre Produkte ernst nehmen, verwenden Naturlatex ohne chemische Schadstoffe für die Rückenbeschichtung.
Andere arbeiten mit Syntheselatex, dem Beschleuniger, Lösungsmittel sowie Füllstoffe und Phenol beigemischt sind. Das hat teilweise zu gesundheitlichen Beschwerden geführt. Bevor Sie sich für einen Bodenbelag aus Sisal entscheiden, fragen Sie beim Handel nach einer Volldeklaration für Material, den Farbstoff und die Rückenbeschichtung, damit Sie wissen, woran Sie sind!
Sisalbodenbeläge sind überaus strapazierfähig, deshalb werden sie gerne in Ausstellungsund Büroräumen verlegt, in jüngerer Zeit aber auch mehr und mehr im privaten Wohn-bereich. Das Material dämmt gut gegen Trittschall, ist stuhlrollenfest, besitzt gute antistatische und antibakterielle Eigenschaften und ist auch als Bodenbelag über einer Fußbodenheizung einzusetzen. Nur eine Schwäche von Sisal soll auch nicht verschwiegen werden: Dieser Bodenbelag reagiert sehr empfindlich auf Feuchtigkeit. Zuviel Nässe, ja sogar schon eine zu hohe Luftfeuchtigkeit, läßt die Faser schrumpfen. Die Rückenbeschichtung mit Naturlatex wirkt dem zwar ein wenig entgegen, dennoch müssen alle Sisalbodenbeläge fest auf dem Untergrund verklebt und die Stöße möglichst vernäht werden, damit keine Fugen entstehen und die Ränder keine Blitzkanten aufweisen. Wer zum Verkleben einen wassergelösten Dispersionskleber wählt, bleibt dem Umweltgedanken treu (was im übrigen auch für die Verlegung aller anderen Bodenbeläge gilt!).

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